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„Werdet Biogas-Unternehmer!“
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Energie zum Schultern
Es qualmt in den Küchen der Welt: Drei Milliarden Menschen verfeuern noch Holz, Kohle, Ernteabfälle oder sogar Plastikmüll, um zu kochen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass an den Folgen der häuslichen Luftverschmutzung jährlich 3,5 Millionen Menschen sterben.

Dabei lässt sich etwa in Afrika leicht eine rauch-und abholzungsfreie Alternative erzeugen: Biogas. Die Agraringenieurin Katrin Pütz hat eine Mini-Biogasanlage erfunden, die für kleine Haushalte und Farmen erschwinglich ist. Sie besteht aus einem Kunststoffsack, in dem Bakterien die Biomasse, meist Rinderdung oder Kompost, zu Gas verarbeiten. Der Clou ist ihr Rucksack, in dem man das Gas aus der Anlage abfüllen, transportieren und anschließend zum Kochen nutzen kann: Er sieht aus wie ein Kissen, ist zwei Meter breit, anderthalb Meter hoch und wiegt nur drei bis vier Kilo.

„Die simple Technik ist eigentlich kaum der Rede wert“, sagt Pütz. Entscheidend sei das Geschäftsmodell, das die Gründerin mit ihrem Kölner Unternehmen „B Energy“ drumherum gestrickt hat – denn der Rucksack soll eigenständiges Wirtschaften ermöglichen. „Statt über Hilfsprojekte Biogastechnik vorgesetzt zu bekommen, kaufen Interessenten die Ausrüstung bei unseren lokalen Vertriebspartnern. Die Investition spielen sie durch den Verkauf von überschüssigem Gas wieder ein und machen danach Gewinn.“ Pütz’ Firma wirkt als eine Art Kundendienst, schult Installateure und Geschäftspartner. So soll verhindert werden, dass die Anlagen als Müll enden.

„Biogas ist in Afrika nicht neu. Es gibt nationale Programme und Hilfsprojekte, die seit Jahren die Technik mit ausländischen Geldern subventionieren oder sogar verschenken“, erklärt Katrin Pütz. Doch die meist unterirdisch gemauerten Konstruktionen seien oft viel zu teuer, ineffizient und schwer zu reparieren. Auch Gratisgeräte würden das Problem nicht lösen. „Die Empfänger bleiben auf Hilfe von außen angewiesen“, so Pütz. „Außerdem verzerrt Entwicklungshilfe den Markt, sodass keine unabhängige Wirtschaft entstehen kann.“

Die Anlagen von Pütz kosten rund 500 Euro und benötigen statt drei Wochen nur zwei Tage für den Aufbau, die Teile sind leicht zu bekommen. Rund 400 Anlagen und 1500 Rucksäcke seien in ganz Afrika in Betrieb, schätzt sie. Ihr nächstes Ziel: eine App, die Businesspläne, Aufbau und Wartung erklärt – damit jeder noch leichter zum Unternehmer werden kann.

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