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Im Dannenröder Wald stemmen sich GegnerInnen der geplanten A49 gegen die Räumung der letzten Baumhäuser. „Ende Gelände“ mobilisiert für das Wochenende noch einmal zu großen Protesten
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Gordon Welters / Greenpeace
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Julia Lauter
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Dienstag

+++ Seit 13.10 Uhr sind nach Aussagen der BesetzerInnen alle Baumhäuser geräumt.

https://twitter.com/DanniTicker/status/1336288407857795073?s=09

Einen Rundflug über die Schneise sieht man bei Greenpeace im Live-Ticker:

https://twitter.com/greenpeace_de/status/1336249964834349056?s=09

 

Montag

+++ Am Montagmorgen hat die Polizei damit begonnen, den verbliebenen Abschnitt im Dannenröder Wald zu räumen. Im Lauf des Tages wurde damit begonnen, die letzten Baumhäuser im Barrio „Oben“ abzureißen. Dieses Baumhausdorf war die erste Struktur, die die BesetzerInnen 2019 errichtete haben.

https://twitter.com/Ti_Wag/status/1336016843157417986?s=09 

Eine für Dienstag geplante Abseil-Aktion von Umweltaktivisten über der A5 bleibt untersagt. Wie die Hessenschau berichtet lehnte das Bundesverfassungsgericht einen entsprechenden Eilantrag ab und begründete dies mit den möglichen Gefahren durch Staus und Auffahrunfälle +++

 

Samstag und Sonntag

+++ Das Aktionsbündnis Ende Gelände spricht von 800 DemonstrantInnen, die an diesem Wochenende gegen die Räumung protestiert haben, die Polizei von 600. Mehrere Journalisten berichten auf Twitter davon, dass sie während der Aktionen im Dannenröder Wald von der Polizei daran gehindert wurden, von der Räumung  zu berichten.

https://twitter.com/DavidKlammer/status/1335629772748107778

Am Samstag errichteten DemonstrantInnen erneut Barrikaden, die Polizei setzte Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein +++

 

Freitag

+++ Am Vormittag spielte der Pianist Igor Levit ein bewegendes Konzert für die BesetzerInnen:

https://twitter.com/greenpeace_de/status/1335909505306140673

Nackte AktivistInnen demonstrierten vor und in der deutschen Botschaft in Wien – und forderten einen sofortigen Baustopp im Dannenröder Wald +++

https://twitter.com/DanniBleibtWien/status/1334824852230901760

 

Im Konflikt um einen Autobahnbau durch ein Stück Mischwald in der hessischen Provinz kämpfen beide Seiten erbittert: Die Polizei kappte Mitte November ein Sicherungsseil und riskierte so einen lebensgefährlichen Sturz – die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Beamten. Nach Angaben von AktivistInnen setzten die Einsatzkräfte auch Elektroschocker gegen BaumbesetzerInnen ein. Die wiederum werfen mit Steinen, Farbbeuteln und Exkrementen oder spannen Drahtseile im Wald. Allein am vergangenen Samstag wurden im Dannenröder Wald, 35 Kilometer nordwestlich von Gießen, nach Informationen der Einsatzkräfte von gestern Abend 35 Menschen in Gewahrsam genommen. Die Fronten zwischen Wald- und KlimaschützerInnen auf der einen und Polizei und schwarz-grüner Landesregierung auf der anderen Seite sind verhärtet.

Streitpunkt ist der Ausbau der A49 zwischen Kassel und Gießen. 87 Kilometer Autobahn, deren letzter Abschnitt durch den 250 Jahre alten Wald führt, ein Wasserschutzgebiet, das rund eine halbe Million Menschen mit Trinkwasser versorgt. Während viele AnwohnerInnen hoffen, dass die neue Autobahn die Verkehrslage in den umliegenden Dörfern entspannt, halten UmweltschützerInnen die Rodung intakter Wälder zugunsten von Schnellstraßen für unzeitgemäß. Vor einem Jahr errichteten AktivistInnen erste Baumhäuser im Wald, seit Mitte Oktober räumt die Polizei Stück für Stück die Protestcamps. Von der knapp drei Kilometer langen Schneise durch den Forst fehlen nach Angaben der Polizei nur noch wenige hundert Meter.

150 AktivistInnen sollen sich nach Schätzungen der Polizei derzeit noch in dem Waldstück aufhalten. Von den gut ausgestatteten Baumhäusern in 20 Metern Höhe, die im Sommer in den Kronen der Buchen zu sehen waren, sind nur noch wenige geblieben: Der Großteil der insgesamt elf Baumhausdörfer im Wald sind mittlerweile geräumt worden. Doch die BesetzerInnen haben den Wald nicht verlassen, sie sammeln sich in den verbliebenen Camps.

Verschiedene Gruppen unterstützen die Proteste, darunter die Grüne Jugend, der BUND, Greenpeace, lokale KlimaschützerInnen und bundesweite Aktionsbündnisse wie Ende Gelände. Seit dem Frühjahr wurde auch in den umliegenden Städten und in Berlin gegen die Räumung und Abholzung der Waldstücke im Dannenröderwald und im nahen Herrenwald protestiert. Im Oktober und November gab es spektakuläre Aktionen wie die kurzzeitige Besetzung des Balkons der Parteizentrale der Grünen in Berlin oder Autobahnblockaden, bei denen sich AktivistInnen von Brücken abseilten und für lange Staus sorgten.

Der Dannenröder Wald spaltet das grüne Spektrum in Basis und Regierung. Während die lokale Mitgliederversammlung und Kreistagsfraktion der Grünen zu einer Unterbrechung der Rodungen und Arbeiten an der A49 aufruft, ließ die mitregierende Landespartei schon früh erkennen, dass sie die Ausbaupläne nicht stoppen wird. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung bekräftigte der grüne Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir Ende November: „Die Grünen haben 40 Jahre gegen diese Autobahn gekämpft. Aber wir haben dafür keine Mehrheit gefunden, in keinem Gemeindeparlament, keinem Kreistag, nicht im Hessischen Landtag oder im Bundestag.“ Er bezeichnete die A 49 als das falsche Symbol. „Dieser Kampf ist nicht zu gewinnen.“

Dass die hessischen Landesgrünen die A49 nie wollten, schützt sie nicht davor, von KlimaschützerInnen in Haftung genommen zu werden. In deren Augen steuern die Grünen mit Blick auf die Bundestagswahl 2021 in eine Glaubwürdigkeitskrise, die weit über den hessischen Forst hinausweist. „Die entscheidende Feststellung vom Dannenröder Wald ist die: Wir werden in den nächsten Jahren immer weiter, immer mehr Verträge brechen müssen. Denn ‚On paper‘ haben wir den globalen ökologischen Zusammenbruch schon längst vertraglich besiegelt“, schreiben die Aktivistinnen Luisa Neubauer und Carola Rackete in einem Gastbeitrag bei Spiegel Online. Die Frage sei nun, welcher Vertrag angesichts der Klimakrise für die Grünen mehr Gewicht hat: der über den Autobahnbau oder das Pariser Klimaabkommen?

Während die politische Debatte tobt, werden die Bedingungen für den Widerstand vor Ort von Tag zu Tag härter – längst fallen die Temperaturen unter null Grad und es liegt auch mal Schnee im hessischen Wald. Die Aussicht auf Erfolg ist gering – doch die Unterstützung von außen reißt nicht ab: Am Freitagmorgen um 9 Uhr gibt der Pianist Igor Levit ein Konzert im Dannenröder Forst. Der Künstler will auf einer bereits kahlgeschlagenen Stelle des Waldes Klavier spielen, das Konzert soll live mit Funklautsprechern im Wald und auf dem Greenpeace-Twitterkanal online übertragen werden.

Zudem mobilisiert das Aktionsbündnis „Ende Gelände“ für Proteste im „Danni“. AktivistInnen wollen am Wochenende Zufahrtswege blockieren und damit die Räumung der letzten hundert besetzten Meter der geplanten Kahlschlag-Schneise verhindern, das Bündnis rechnet mit einer hohen dreistelligen Zahl an DemonstrantInnen. Auch wenn ihnen der Stopp des Polizeieinsatzes nicht gelingen sollte, könne die Aktion erfolgreich sein, sagt die Bündnis-Sprecherin Ronja Weil. „Es geht nie nur um die Räumung des Danni, es geht um die Verkehrswende, um nachhaltige Mobilität in unserer Gesellschaft.“ Der Widerstand im Danni sei anstrengend und ungemütlich, dass sich die AktivistInnen trotzdem einsetzten, zeuge von ihrer Entschlossenheit. „Lieber bei der Blockade eine Erkältung bekommen als zuzulassen, dass durch eine verfehlte Politik die Klimakrise angeheizt wird“, sagt Weil.

In der kommenden Woche wollen die KlimaschützerInnen mit bundesweiten Aktionen auf den fünften Jahrestag des Pariser Klimaabkommens hinweisen – darauf, dass seit 2015 zu wenig für das 1,5-Grad-Ziel getan wurde. Auch wenn der Dannenröder Wald bis nächste Woche geräumt sein könnte – Proteste sind dort weiterhin geplant.

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Die Räumung der letzten Baumhäuser im Dannenröder Wald hat begonnen, „Ende Gelände“ mobilisiert für Protest-Wochenende
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